[Artikel enthält Werbung] Die Marquesas gelten als eine der abgelegensten bewohnten Inselgruppen der Erde. Rund 1.500 Kilometer nordöstlich von Tahiti gelegen, erreichen sie weder Linienkreuzfahrten noch Pauschaltourismus in nennenswertem Umfang. Wer die zwölf Inseln, von denen sechs dauerhaft besiedelt sind, bereisen möchte, wählt in der Regel einen ungewöhnlichen Weg. Die Anreise erfolgt an Bord der Aranui 5, eines kombinierten Fracht, und Passagierschiffs, das die Inseln alle drei Wochen mit Waren des täglichen Bedarfs versorgt.
Ein Schiff mit doppelter Funktion
Die Aranui 5 wurde 2015 in Dienst gestellt und ersetzt die Aranui 3. Das Schiff misst rund 126 Meter, bietet Platz für etwa 230 Passagiere und wird von einer überwiegend polynesischen Besatzung geführt. Zwei Drittel des Rumpfes sind für Frachträume, Kühlcontainer und Ladekräne reserviert, der vordere Bereich beherbergt Kabinen, Restaurant, Bibliothek und einen kleinen Pool. Dieses Prinzip unterscheidet die Route klar von klassischen Kreuzfahrten. Reisende, die den Ablauf in einer typischen 14-Tage-Rundreise ab Papeete erleben möchten, finden entsprechende Angebote unter anderem bei Südsee-Reisen von TMC Reisen, einem auf Französisch-Polynesien spezialisierten Veranstalter.
Beim morgendlichen Landgang beobachten Passagiere häufig, wie Baumaterial, Lebensmittel oder Fahrzeuge entladen und im Gegenzug Kopra, getrocknetes Kokosnussfleisch, verladen wird. Kopra ist bis heute ein zentrales Exportgut der Marquesas. Der Ablauf ist nicht inszeniert, sondern Teil der realen Versorgungslogistik der Inselgruppe.
Die Route und ihre kulturellen Schwerpunkte
Die Standardroute verbindet innerhalb von zwei Wochen sechs Marquesas-Inseln mit zwei Atollen der Tuamotu-Gruppe, meist Fakarava und Rangiroa. Angelaufen werden Nuku Hiva, Ua Pou, Ua Huka, Hiva Oa, Tahuata und Fatu Hiva. Jede Insel besitzt eigene archäologische Stätten. Auf Nuku Hiva liegt mit Kamuihei eine großflächige Zeremonialanlage mit Petroglyphen und steinernen Tiki-Figuren. Hiva Oa beherbergt in Puamau den Tiki Takaii, mit rund 2,60 Metern die größte erhaltene Steinfigur Polynesiens außerhalb der Osterinsel.
Der Ort Atuona auf Hiva Oa ist zusätzlich als letzte Wohnstätte von Paul Gauguin und Jacques Brel bekannt. Beide sind auf dem Friedhof Calvaire begraben, das rekonstruierte Maison du Jouir sowie das Espace Jacques Brel dokumentieren ihre Zeit auf der Insel. Die kulturelle Bedeutung der Marquesas wurde 2024 durch die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste unter dem Namen Te Henua Enata bestätigt.
Landgänge, Sprache und praktische Rahmenbedingungen
Die Ausflüge werden von Bordpersonal und lokalen Guides begleitet, häufig in Geländefahrzeugen, da asphaltierte Straßen selten sind. Zum Programm gehören Besuche in Holzschnitzerwerkstätten, Vorführungen des Haka Manu sowie traditionelle Mahlzeiten mit Poisson Cru, Uru und im Erdofen gegartem Schwein. Die gesprochenen Sprachen sind Französisch und Marquesanisch, Englisch wird an Bord verwendet. Deutschsprachige Reiseleitung ist auf bestimmten Terminen buchbar, Details dazu finden sich in den saisonalen Ausschreibungen der Reederei, etwa auf der offiziellen Aranui-Website.
Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und Oktober, wenn die Passatwinde die Luftfeuchtigkeit senken. Für die Einreise nach Französisch-Polynesien genügt deutschen Staatsangehörigen ein Reisepass, der bei Ausreise noch mindestens sechs Monate gültig ist. Impfvorschriften bestehen laut Auswärtigem Amt nicht, empfohlen werden jedoch Standardimpfungen sowie Hepatitis A.
Wer die Südsee jenseits von Bora Bora und Overwater-Bungalows kennenlernen möchte, findet in der Aranui-Route eine seltene Kombination aus Logistikreise, Kulturprogramm und Zugang zu Regionen, die individuell nur mit erheblichem Aufwand erreichbar sind. Vor der Buchung lohnt ein Blick auf Kabinenkategorie, Ausflugspaket und Anschlussflüge ab Papeete, da die Nachfrage besonders in der Hauptsaison früh ansteigt.